Wer kennt sie nicht, die einen in Parkhäusern oder menschenleeren Passagen
überfallenden Phobien, die zum schnellen Durchqueren zwingen? Ganz allgemein
wachsen die Ängste vor Übergriffen. Aus der Ahnung, wenn nicht dem Wissen,
dass der Nachbar im Zweifelsfall aus Angst oder Feigheit wegschaut, steigen Befürchtungen
auf, die mit dem Zerfall gemeinschaftlicher Erfahrungen und Traditionen in der
postindustriellen Gesellschaft und ihren Anforderungen an permanente Modernisierung
einhergehen.
Für viele auswärtige Besucher von Berlin Marzahn steht Deutschlands
größtes geschlossenes Stadtquartier für den materialisierten Albtraum.
Die einst von der DDR-Führung als vorbildlich gepriesene Plattensiedlung
am östlichen Rand der Metropole dient mit ihren 85.000 Wohnungen heute oft
als negative Projektionsfläche. Entgegen derartigen Vorurteilen leiden die
rund 200.000 Bewohner der Großsiedlung weniger unter Anonymität und
Kriminalität, die hier geringer ist als im Stadtzentrum, als an der Stigmatisierung
ihres Bezirks. Nur sehr bedingt fügten sich hingegen in Paris die Bürostadt
La Défense und das Quartier du Parc in das urbanistische Konzept der Stadtplaner.
Während das Verwaltungszentrum mit drei Millionen Quadratmetern Bürofläche
nach Geschäftsschluss verödet, ist die angrenzende Sozialsiedlung seit
ihrer Einweihung ein soziales Dauerproblem.
„Architektur der Angst“ spürt die Zusammenhänge von Psychologie,
Soziologie und moderner Urbanistik im Spiegel ökonomischer Entwicklungen
auf. Angelegt als kritischer Essay mit filmischen Streifzügen durch Los Angeles,
Phoenix, Berlin und Paris analysiert und hinterfragt er Antworten zeitgenössischer
Stadtplaner auf wirtschaftliche Erfordernisse und menschliche Bedürfnisse.