Poetry on Stage
Laurie Anderson beim Berliner Poesiefestival 2005
Als eine der ersten Performance-Künstlerinnen der Welt hat Laurie Anderson ihr Publikum mit multimedialen Aufführungen zugleich unterhalten und herausgefordert. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie als Bildende Künstlerin, Komponistin, Poetin, Fotografin, Filmemacherin, Bauchrednerin, Sängerin und Instrumentalistin. Weltweit genießt sie einen Ruf als Vorreiterin im Einsatz von Neuen Medien in den Künsten.
In Ihrem aktuellen Soloprojekt "The End of the Moon" stellt die Pionierin der performance art das gesprochene Wort in den Mittelpunkt und beweist darin eindrücklich und faszinierend dessen subtile Macht.
Anderson verbindet Poeme mit Liedern und Musik und wirft einen Blick auf die Beziehungen zwischen Krieg, Ästhetik, dem Wettlauf um die Eroberung des Weltraums, Spiritualität und Konsumdenken. Ihr wiederkehrendes Thema ist dabei die Beziehung zwischen Technologie und Kultur.
Von ihrer Poesie geht eine ganz eigene Kraft aus: die Verbindung von Wort- Sprache- Rhythmus- und Klang. Die 58jährge Amerikanerin versteht es perfekt diese Verbindung herzustellen und den Zuhörer mitzunehmen auf eine Reise in ihre ganz eigene Welt.
Der Zeitpunkt ihrer Deutschlandpremiere hätte passender nicht sein können, denn das öffentlich vorgetragene dichterische Wort erlebt seit kurzer Zeit eine regelrechte Renaissance bei einem immer größer werdenden Publikum.
Im "Poesiefestival Berlin 2005" wird dem gesprochenen Wort eine große Bühne gegeben. Seit den sechs Jahren seines Bestehens wächst die Zahl der Besucher stetig, die 10.000 ist weit überschritten und auch Laurie Anderson hat schon jetzt ein Zusatzkonzert zu ihrem bereits Ausverkauftem zugesagt. Als Grund für den großen Publikumszulauf sieht Thomas Wohlfahrt auch die Form der Präsentation. Theatrale Fassungen von langen Gedichten, Text-Tanz- Projekte, Vertonungen zeitgenössischer Poeme gehören dazu, wie auch das "poesie im park" Projekt.
In neuen Formen präsentieren die Dichter ihre Werke: Die Bandbreite reicht von Beatboxen, Rap über Spoken Poetry Jams bis hin zu Open Mic -Veranstaltungen. Die Aura der "seriös-intellektuellen Insiderveranstaltung" die Dichterlesungen oft anhaftete scheint verflogen.
Festivalleiter Dr. Thomas Wohlfahrt meint: "Poesie ist eine eigenständige Kunst. Zum heutigen Textverständnis der Dichter gehört ganz selbstverständlich eine Musikalität, die es herzustellen gilt."
Nimmt in unserer multimedialen Welt der Bilder die Bedeutung des gesprochenen Wortes zu? Und wenn ja, warum ist das so? Laurie Anderson jedenfalls glaubt fest daran: "Ich finde, heutzutage ist es der beste Weg, mit den einfacheren Mitteln der Sprache auf unsere Kultur zu schauen und nicht mittels einer Multimedia-Show."
Laurie Anderson blickt als eine der ersten Performance Künstlerinnen überhaupt auf eine über dreißigjährige Bühnenerfahrung zurück und hat mit ihren Arbeiten Generationen von jüngeren Künstlern beeinflusst. Von ihren über die Jahre technisch immer aufwendiger werdenden Aufführungen hat sie sich mit "The End of the Moon" erst einmal verabschiedet.
"My ambition is to be a troubadour, and to absorb the world, and to try to express it in a light way.", so Anderson.
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