Nicht nur herausragende Bauwerke und Naturstätten sind schützenswert, auch die immateriellen Formen kulturellen Ausdrucks und "kulturelle Räume" gehören zu den Reichtümern, gegen deren unwiederbringlichen Verlust die UNESCO ein eigenes Programm entwickelt hat: "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit". Das Programm ist als Ergänzung zum Welterbeprogramm gedacht.
Unsere Reihe "Meisterwerke der Menschheit" ist eine aufregende und spannende Entdeckungsreise rund um den Globus.
In Zusammenarbeit mit der UNESCO und dem ZDF dokumentieren wir das immaterielle kulturelle Erbe der Menschheit in fesselnden Erzählungen.
1. Kambodscha : Apsara – Tanz zwischen Himmel und Erde
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Der Tanz der Apsaras steht seit jeher in fester Verbindung mit der Macht und dem Ruhm des Kambodschanischen Königshofes. Jeder der Khmer-Könige wählte Hunderte der schönsten Mädchen seines Volkes aus und ließ sie zum Tanz ausbilden. Sie galten als Himmlische Nymphen, die als Mittlerinnen zwischen Himmel und Erde göttlichen Status genossen. Ihr Repertoire verewigt die Entstehungsmythen Kambodschas. Nach der Legende ist der Tanz so alt wie das Volk der Khmer selbst, denn es waren einst die göttlichen Apsaras, die Botinnen der Götter und Ahnen, um den sich ein ganzer Staat formte: Das Königreich Angkor. Und dort ist ihre Geschichte in Stein gemeißelt. Das entrückte geheimnisvolle Lächeln der Tänzerinnen ist auf unzähligen Reliefs der Tempelanlagen abgebildet.Bis heute ist dieser Tanz wichtigster Teil der kambodschanischen Identitätsfindung. Der Film begleitet das Königliche Ballett -Ensemble von Kambodscha während ihren Proben und bei ihrem Auftritt auf einer der beeindruckendsten Bühnen der Welt in Angkor Wat. Dabei täuschen die prunkvollen Kostüme über die wahre Situation der Tänzer hinweg. Zwar stammen noch immer viele der Tänzerinnen aus dem Königshaus verwandten Familien, und doch sind sie heute Staatsangestellte, die genauso wie ihre Lehrerinnen weniger als 18 US Dollar im Monat verdienen. Um ihr Überleben zu sichern arbeiten viele nebenher als Schneiderinnen für Hochzeitskleider. Oft gelingt es den Tänzerinnen nicht einmal, das Fahrgeld zu verdienen, um an den Proben des Balletts teilzunehmen. Dabei schafft nur jahrelange regelmäßige Übung die Grundlagen für diesen komplexen, schwerelosen Tanz. Es gilt über tausend verschiedene Handbewegungen und Gesten zu erlernen, eine Ausbildung, die im Kindesalter beginnt. Schon siebenjährige Mädchen müssen vier Stunden am Tag lang und hart unter dem kritischen Blick ihrer Lehrerinnen trainieren. Eine dieser Lehrerinnen, die bis heute noch das königliche Ballett begleiten ist Em Theay. Wie durch ein Wunder hat sie das Regime Pol Pots überlebt, das zwei Millionen Kambodschanern das Leben kostete, darunter fast alle Tänzerinnen des königlichen Balletts. „Jeden Tag versuchte ich mir eine andere Melodie ins Gedächtnis zu rufen, um mich selbst daran zu erinnern, dass ich diesen Tanz nicht vergessen darf“, erzählt Em Theay, die mit den wenigen überlebenden Tänzerinnen und Musikern nach Ende des Pol Pot Regimes den klassischen Tanz der Apsaras auferstehen ließ. Damit rettete sie das mündlich überlieferte Wissen, das Erbe der kambodschanischen Nation.
2. Mongolei: Morin Khuur – Der Klang der Steppe
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Kein anderes Musikinstrument verkörpert die nationale Identität der
Mongolen in ähnlicher Weise wie die Morin Khuur, die zweiseitige
Pferdekopfgeige. Es symbolisiert die gesamte Kultur der Nomaden. Ihr sanfter
Klang transportiert das Gefühl des ursprünglichen Lebens und den Traum vom
freien Leben in der grenzenlosen Weite der mongolischen Steppe. Der Film
folgt den Spuren dieser Tradition und begleitet Nomaden auf ihrem Weg durch
die Wüste Gobi.Der mongolische Staatspräsident erklärte die Morin Khuur zum
„nationalen“ Musikinstrument, das jeder Haushalt im Land besitzen soll. Und
trotzdem ist die Tradition, die Morin Khuur zu spielen, heute gefährdet.
Während das mongolische Nationalorchester unter der Leitung von Tsendiin
Batchuluun internationale Erfolge im Ausland verbuchen kann, wird die
Pferdekopfgeige in ihrer Heimat, den Jurten der nomadischen Bevölkerung
immer weniger gespielt. Denn die nomadische Lebensweise gerät in einer immer
näher zusammenrückenden Welt und ihrer daraus folgenden wirtschaftlichen
Bedingungen immer weiter unter Druck. Doch erhält das Spiel der Morin Khuur
seine Inspiration durch die nomadischen Lebensform seiner Spieler. Schon
der große Dschingis-Khan wurde auf seinen Feldzügen von einem persönlichen
Morin Khuur-Spieler begleitet. Es ist die Kultur der Pferdezucht, die sich
mit der Morin Khuur untrennbar verbindet. Das Pferd wird verehrt, genauso
wie der blaue Himmel, der der weiten Steppenlandschaft seinen Horizont
verleiht. Bis heute ist die Züchtung der leistungsfähigen kleinen Pferde der
Stolz und der Ehrgeiz des mongolischen Volkes. Aus dem Schweif dieser Pferde
werden die Saiten der Pferdekopf -Geige und des Streichbogens gefertigt. In
dieser Tradition sieht sich auch der Lehrer einer kleine Musikschule am
Rande der Wüste Gobi. Dort lernen die Kinder aus nomadischen Familien, das
Spiel der Morin Khuur zu meistern. So lange sie den Klang der Steppe mit
ihrer Pferdekopfgeige zum Ausdruck bringen, ist noch nichts verloren.
3. Belgien: Der Karneval in Binche – Das Fest der Gilles
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Die Menschen aus Binche sagen: Es gibt nur ein Binche auf der Welt, sein
Karneval ist einzigartig und dessen König ist der „Gille“. Der trägt ein
buntes Kostüm, das mit heraldischen Löwen verziert ist, Holzschuhe und einen
Hut aus langen Straußenfedern, dazu eine weiße Maske aus Wachs.
Überlebensgroß ist er auf dem Marktplatz in Bronze gegossen verewigt. Bis
heute, als hätten seine mittelalterlichen Stadtmauern es vor jedem Einfluss
von außen bewahrt, ist der Karneval in Binche ein kollektives Ritual
geblieben, das alle soziale Gruppen vereint. Ein identitätsstiftendes Fest,
das monatelange Vorbereitung aber auch große finanzielle Opfer erfordert.
Die meisten Menschen hier verbrauchen die Ersparnisse des ganzen Jahres, um
daran teilzunehmen. Aber für jeden, der innerhalb der Stadtmauern von
Binche aufgewachsen ist, ist es auch Pflicht dabei zu sein, denn es
symbolisiert einen Akt der Treue, den es mit der ganzen Gemeinde zu feiern
gilt. Nur an einem Tag zum Höhepunkt des Karnevals, am Fastnachts-Dienstag,
dem „Mardi Gras“, treten die Gilles auf. Noch in der Nacht legen sie mit
Hilfe ihrer Frauen ihre Kostüme an und sind von da an fast 24 Stunden auf
den Beinen. Die Gilles laufen in Begleitung eines Trommlers von Haus zu
Haus, um die anderen abzuholen und bald sieht man 850 Gilles durch die Stadt
marschieren. Vergessen scheint für diesen magischen Tag, dass es vielen
immer schwerer fällt, die Anforderungen der Tradition zu erfüllen, weil sie
kaum mehr über die Zeit und die finanziellen Mittel verfügen, diesen
aufwendigen Karneval zu zelebrieren. Angebote der Industrie, wie etwa eines
Champagnerproduzenten, das „Fest aller Feste“ zu unterstützen und damit den
Kostendruck für alle zu senken, lehnt Binche bisher erfolgreich ab.
4. China : Kunqu – Das Erbe der Ming-Dynastie
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Kunqu das ist eine beeindruckende, farbenkräftige Bühnenwelt, ein
faszinierendes Zusammenspiel von tänzerischen Bewegungen und Gesang. Seit
ihrer Entstehung vor 600 Jahren hat diese alte Form der Oper eine
wechselvolle Geschichte durchlebt. Gerade deshalb gilt sie als die
aussagekräftigste der traditionellen, chinesischen Opern. Aus ihren Wurzeln
haben sich viele weitere Ausdrucksformen der Oper entwickelt. Tiefes Gefühl
und anmutige Posen bestimmen ihr Spiel, das durch aufwendige Kostüme und
Masken eine besondere Darstellungskunst findet. In dem Stück „Peony
Pavillion“- belegen die berühmtesten Schauspieler die Einzigartigkeit dieser
Bühnenform. Doch viele der Stücke glänzen auch durch schwungvolle
Kampfszenen und Martial-Arts-Akrobatik .Trotzdem verliert diese alten Form
der Oper.im schnellen ökonomischen Wandel Chinas ihr Publikum. Um sie zu
schützen berief die UNESCOdie „Kunqu-Oper“ zum „Meisterwerk des
traditionellen Weltkultureerbes“. Im Rahmen dieses Unesco Programms soll das
mündlich überlieferte, immaterielle Erbe der Menschheit auf der ganzen
Welt bewahrt werden.Doch ob das auch für im Fall der Kunquu Oper gelingt,
ist fraglich. Immer mehr Kunqu-Opernhäuser müssen schließen. In der
staatlichen Schule des Beifangs Theaters in Peking werden nur noch wenige
Schauspieler ausgebildet. Dort werden die Grundschritte, die Martial
Arts-Bewegungen und die Gesichtsausdrücke noch wie vor Hunderten von Jahren
in großer Feinheit und Strenge gelehrt.
5. Mosambik: Timbila – Das Vermächtnis der Chopi
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Das stolze Volk der Chopi lebt nahe der Küste im Süden Mosambiks. Von weiten
Palmenhainen umgeben liegen die traditionellen Rundhüttendörfer in der Nähe
der kolonial geprägten Provinzhauptstadt Inhambane. Es ist fruchtbares Land
geprägt von tiefroter Erde das in der Geschichte vielfach das Begehren
anderer Völker weckte. Doch die Chopi waren gefürchtet und respektiert für
den kunstvollen Umgang mit Pfeil und Bogen. Ein kriegerisches Volk, das aber
seine höchste Kunst im Erbe seiner Musik bewahrt. Die Timbila, ein hölzernes
Xylophon, ist das traditionelle Musikinstrument der Chopi und kein anderes
Volk Afrikas hat die überlieferte Musik auf Klanghölzern und Kalebassen zu
gleicher Perfektion weiterentwickelt. Die kunstvoll gearbeiteten Instrumente
mit dem typisch nasalen Ton und dem reichen Vibrationsklang werden in
unterschiedlicher Größe aus dem seltenen Holz des Mwenje- Baumes
gefertigt.Jede Aufführung wird begleitet von Tanz und Gesängen, Epen voll
Humor und Sarkasmus, die gesellschaftliche Angelegenheiten reflektieren,
eine Chronik für alles, was sich in den Gemeinden zuträgt. Aus den Texten
blitzt auch der Widerstandsgeist gegen jede anmaßende Willkür, wie die der
fünfhundert Jahre andauernden Fremdherrschaft der Portugiesen in Mosambik.
6. Wayang Kulit – Der Schatten des Lebens
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2007
Auf der Insel Java gehört die Nacht der Aufführung des Wayang Kulit, dem
berühmten indonesischen Schattentheater. Im Spiel mit Licht und Schatten
erweckt der Dalang, der Puppenspielmeister, seine kunstvoll gestochenen
Lederpuppen zum Leben und führt dieses reiche Theater verschiedenster
Kunstformen von Einbruch der Dunkelheit bis zum nächsten Morgen. Dabei ist
das faszinierte Publikum mit dem Inhalt der Stücke bestens vertraut.
Die zwei großen indischen Epen Ramayana und Mahabarata haben alle
Erzählungen des Wayangs geprägt. Links und rechts der durchscheinenden
Leinwand stecken die Lederpupen wie in immerwährender Bereitschaft, die
gegenpoligen Kräfte des Guten und des Bösen zu porträtieren. Das Drama
dieses ewigen Ringens garantiert, dass die Welt aus dem Gleichgewicht fällt
und Neues erwachsen kann. Der Dalang verleiht seinen Puppen mehr als nur
eine Stimme, er wird zum Medium, durch das der Geist des Göttlichen zu den
Menschen sprechen kann. Die Menschen auf Java bezeichnen Wayang als Schatten
des Lebens - vom Anfang bis zum Ende. Seine ethischen Werte beeinflussen
das gesamte soziale Leben der javanischen Gesellschaft. Wayang ist das
Vermächtnis des indonesischen Volkes.
Der Film begleitet den bekanntesten Dalang Indonesiens, Ki Mantep
Soedharsono während den Vorbereitungen zu einem Auftritt im Sultanspalast
von Surakarta. An seiner Aufführung wirken bis zu hundert Künstler mit. Ein
großes Gamelan-Orchester und der Chor der Pesinden, der Sängerinnen
begleiten das Spiel Ki Manteps, der mit ungeheurer Kunstfertigkeit sein
Ensemble und zugleich seine unzähligen Puppen dirigiert.
7. Bhutan: Die Maske des Schneelöwen
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2008
Im Königreich Bhutan feiern die Mönche des Klosters Drametse jeden Herbst
das „Ngacham“, es ist das wichtigste Fest des Jahres. Den Höhepunkt bildet
die Aufführung des Maskentanzes der Trommler, den die UNESCO als
„Meisterwerk der Menschheit“ ausgezeichnet hat. Doch diesmal ist die
Aufführung gefährdet. Der Mönch Jigme wartet auf die Rückgabe der wertvollen
Maske des Schneelöwen, die er als Tanzmeister der Gruppe tragen soll. Sie
wurde in die Hauptstadt Thimpu ausgeliehen. Dort am Institut für
Landesgeschichte nehmen der Historiker Karma Dorje und sein Assistent
Rinchen auf, was bisher nie niedergeschrieben wurde. Sie erforschen das
fünfhundert Jahre alte Erbe des Tanzes, dessen traditionellen Gewänder und
Masken einzigartig sind. Doch ihre Arbeit verzögert sich. Erst zwei Tage vor
Beginn des Maskenfests können sie aufbrechen, um die Maske des Schneelöwen
zurück nach Drametse zu bringen. Das Kloster ist nur über eine schwierige
Passstrasse zu erreichen, die in über dreitausend Metern Höhe durch den
östlichen Himalaja führt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...
Der Film zeigt das UNESCO-Meisterwerk in all seiner farbenfrohen Pracht und
Vielfalt, aber auch seiner Gefährdung durch die Globalisierung.
Faszinierende Aufnahmen der traumhaft weiten Landschaft des
Himalaja-Königreichs bilden den Rahmen.
8. Vanuatu: Die Sprache der Südsee
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2008
Vanuatu – das sind 83 Inseln und Archipele. Beinahe jede dieser
Südsee-Insel kennt ihre eigene Sprache. Nirgendwo sonst auf der Welt
existiert diese Sprachendichte. Bevor man eine gemeinsame Lautsprache fand,
verständigten sich die Insulaner mit Hilfe von Sandzeichnungen, die sie in
Asche oder Sand malten. Dieses jahrtausendealte Erbe des Inselstaats Vanuatu
hat die UNESCO zum „Meisterwerk der Menschheit“ ausgezeichnet.
Simon Godin ist Begründer einer kleinen Schule für Sandzeichnungen auf der
Insel Pentecoast, die zum Südseestaat Vanuatu gehört. Zweimal in der Woche
kommen seine Schüler zum Unterricht. Zwei von ihnen aber üben täglich, denn
Simon Godin hat Florida und Jenila zu seinen besten Schülern ausgewählt, die
mit ihm zum Nationalen Sandzeichnungs-Festival reisen. Die beiden
Freundinnen rechnen sich gute Chancen aus. Das Vorhaben hat nur einen Haken:
Das Festival findet auf der Vulkaninsel Ambrym statt, eine mystische Insel,
wegen des unheimlichen Brauchtums seiner Bewohner von allen gefürchtet. Doch
das Abenteuer lockt. Mit ihrem Lehrer verlassen Florida und Jenila erstmals
in ihrem Leben ihre Insel Pentecoast. In einem traditionellen Langboot
erreichen sie die Insel Ambrym, wo sie von einem alten Häuptling in die
Geschichte der Sandzeichnung eingeweiht werden. Doch dann breitet sich
Furcht aus, als die Gruppe zu einer geheimen Vorführung des Rom-Tanzes
eingeladen wird...
Der Film zeigt die verschlungenen Muster der Sandzeichnungen, die von den
Mythen der jahrtausendalten Südsee-Kultur geprägt sind, und ihre Bedeutung,
die tief in die Geschichte des Südpazifiks zurückgehen. Gleichzeitig wird
ein Einblick in die einzigartige Landschaft und Lebensweise der
Südsee-Kultur gegeben.
9. Indien: Das Geheimnis der Tempeldiener
Film von Norbert Busè
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2008
Sonntag, 15. Februar 2009, 18.30 Uhr in 3sat – Erstausstrahlung
Es ist noch dunkel, erst fünf Uhr morgens, dennoch liegt schon eine große
Schwüle über dem kleinen Übungsraum im südindischen Kerala. 15 Jungen sind
hierher gekommen, um sich zu dehnen, um ihre Gelenke geschmeidig zu machen
für einen der schwierigsten Tänze überhaupt. Die Rede ist von Kuttiyatam,
dem über zweitausend Jahre alten Tempeltanz aus Indien, der auch heute noch
seine Zuschauer mit prächtigen Masken und stilisierten Gesten fasziniert.
Die UNESCO hat diesen Tanz als „Meisterwerk der Menschheit“ unter ihren
Schutz gestellt. An diesem Morgen ist auch Sangit in den Übungsraum
gekommen. Der gläubige 19-jährige Hindu stammt aus einer Künstlerkaste, sein
Vater war selbst ein bekannter Tempeltänzer. Sangit muss in einer Woche
seine erste Vorführung bestehen, gewissermaßen sein Abschlussexamen. Auf die
Tanzschule dürfen nur die Besten, und nur ganz wenigen steht eine Zukunft
als professioneller Tänzer bevor. Zu den Auserwählten zählt auch Shalini.
Sie träumt davon, mit Sangit eines Tages aufzutreten. Wie wird Sangit
erfahren, dass er eine Verehrerin hat? Werden sich die beiden überhaupt
treffen können, um für die Zukunft gemeinsam Pläne zu schmieden?
Der Film verfolgt die komplizierte und komplexe Präsentationsform des
Tempeltanzes Kuttiyatam. Allein das Auftragen der aufwändigen Masken, die
teilweise gemalt und aufgeklebt werden, dauert Stunden. Der Tanz ist ohne
die mythologische Götter- und Sagenwelt nicht zu verstehen. Die Verehrung
der Lehrer als Gurus, der täglicher Gang der Schüler zum Tempel Shivas
gehört zum Alltag der Tanzschule. Das tägliche Studium der heiligen
Schriften ist deshalb auch wichtiger Bestandteil der Ausbildung.
10. Brasilien: Das Herz des Samba
Film von Wolfgang Groh-Bourgett
Redaktion: Bettina Kasten
30min, HD, Deutschland 2009
Sonntag, 22. Februar 2009, 18.30 Uhr in 3sat – Erstausstrahlung
Die Schüler der berühmten brasilianischen Samba-Lehrerin Dalva Damiana De
Freitas möchten ihr zum 80. Geburtstag ein besonderes Geschenk überreichen:
eine handgefertigte Viola, das wichtigste Musikinstrument des Samba da Roda,
den die UNESCO zum „Meisterwerk der Menschheit“ erklärt hat. Heute werden
fast alle Violen im brasilianischen Bundesstaat Bahia industriell gefertigt.
Nur noch ein Instrumentenbaumeister in der Region Cachoeira baut die
kunstvoll handgefertigten Instrumente. Doch den Schülern fehlt das Geld für
ein solch kostbares Geschenk. Sie beschließen, in der Nachbarschaft Geld zu
sammeln. Unter dem Schutz der heiligen Patrone Cosme und Damia?o ziehen sie
von Haus zu Haus. Die Menschen geben gern, doch sie sind arm und so kommt
nur eine kleine Summe zusammen. Aber Dona Dalvas Geburtstag rückt näher.
Deshalb soll ein Los über Glück oder Unglück entscheiden – werden sie die
Viola schenken können oder nicht…
Der Film Der Samba da Roda gilt als als Urform des brasilianischen Sambas.
Dona Dalva hat ihr Leben diesem Kreistanz gewidmet. Vor fünfzig Jahren
gründete sie an ihrem Arbeitsplatz in einer Zigarrenfabrik eine Samba da
Roda Gruppe, um die vielschichtigen Traditionen ihres Tanzes zu pflegen. Sie
bewahrte damit eine Kunstform, die ohne sie wahrscheinlich verschwunden
wäre. Der Tanz ist ein Erbe der afro-brasilianischen Einwohner von Bahia,
deren Vorfahren als Sklaven von Afrika nach Brasilien verschleppt wurden.
Als die UNESCO Samba da Roda zum „Meisterwerk der Menschheit“ auszeichnete,
war das auch eine Bestätigung für Dona Dalvas Lebenswerk.
11. Sizilien: Der Patron der Puppen
Film von Norbert Busè
30min, HD, Deutschland 2008
Redaktion: Bettina Kasten
Sonntag, 1. März 2009, 18.30 Uhr in 3sat – Erstausstrahlung
Tief verborgen in den kleinen Gassen Palermos haben geheimnisvolle Gestalten
aus vergangenen Jahrhunderten wie durch ein Wunder überlebt. In der Bara
all´Olivella werden Ritter und Edelleute, Odysseus und Karl der Große in den
alten sizilianischen Gewölben von ihrem Patron Mimmo Cuticchio, liebevoll
beschützt. Gäbe es ihn nicht, wäre die uralte Tradition des Puppenspiels
ausgestorben. Die UNESCO hat das sizilianische teatro dei pupi zu den
schützenswerten „Meisterwerken der Menschheit“ erklärt. Nur wenige finden
den Weg in die Mimmo Cuticchios Werkstatt, in der er auch heute noch Puppen
herstellt, und selten sind die Aufführungen in seinem kleinen Theater
ausverkauft. Mimmo hat die Puppenspielkunst von seinem Vater gelernt, der
noch bis in die fünfziger Jahre hinein mit einer mobilen Bühne über Land
fuhr. Mimmos Sohn möchte die Tradition nicht weiterführen, was zur Folge
hätte, dass sein Schatz der schönsten Puppen und ihrer reichen Geschichten
verloren gehen würde, deshalb entschloss sich der Patron eine kleine Schule
für Puppenspieler zu eröffnen – einzigartig in Sizilien. Die kleine Schar
lernt jetzt von der Pike auf das Handwerk. Ob die jungen Leute die
dreijährige und strenge Ausbildung bis zuletzt durchhalten, bleibt
allerdings abzuwarten. Auch die junge Japanerin Nori, die eigens aus Tokio
angereist ist, nimmt teil und fiebert ihrer ersten Aufführung entgegen.
Der Film zeigt die Herstellung der farbenprächtigen, über einen Meter hohen
Puppen, die komplizierte Handhabung an langen Stangen und die lange
Tradition der Geschichten und Aufführungen. Doch wird auch dargelegt, wie
Kino und Fernsehen das Meisterwerk stark verdrängt haben. Die packenden
Geschichten von Edelmut, Intrigen und Herzschmerz verkommen zunehmend als
reines Tourismusspektakel und die Puppenspieler können mit ihren Puppenopern
schwer überleben.
12.Malaysia: Der Tanz im Verborgenen
Film von Norbert Busè
30min, HD, Deutschland 2008
Redaktion: Bettina Kasten
Sonntag, 8. März 2009, 18.30 Uhr in 3sat – Erstausstrahlung
Auf einer improvisierten Bühne, versteckt im undurchdringlichen Regenwald
Malaysias unterrichtet Berkagil seine junge Schülerin Ain in der
traditionellen malaysische Kunstform Mak Yonk. Der Tanz, der maßgeblich von
Frauen bestimmt wird, kämpft seit Jahren ums Überleben und ist deshalb von
der UNESCO zum „Meisterwerk der Menschheit“ erklärt worden. Öffentliche
Auftritte sind nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung der herrschenden
islamitischen Partei erlaubt. Das war früher ganz anders. Ains Mutter war
Tänzerin im Königshaus Kelantans, im Nord-Osten Malaysias. Damals wurde die
Tradition vom Sultan hochgehalten, die Geschichten über Prinzen und
Prinzessinnen gefördert. Improvisierte Dialoge wechselten sich mit
gestenreichen Tänzen ab in prächtigen Kostümen, unterstützt von live
gespielter Musik. Heute gibt es keine offiziellen Schulen, keine Bühnen und
keine finanzielle Unterstützung um die Theatertradition des Landes zu
bewahren. Ain übt im Verborgenen für einen Auftritt. Doch sie wird plötzlich
krank und hofft, dass die mit dem Mak Yonk in Verbindung stehenden
Heilungszeremonien sie wieder gesund machen. Ein Schamane wird gerufen und
setzt Ain in Trance.
Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau Ain und ihrer Mutter, die
gegen alle Widerstände um den Erhalt dieser einzigartigen asiatischen
Tanzform kämpft und um den Erhalt des Vermächtnisses ihrer eigenen Kultur
viele Opfer in Kauf nehmen. Die streng-gläubigen Moslems im Norden Malaysias
sind an die Förderung alter Tanztraditionen nicht interessiert.