Die Nordwand des Kailash schimmert im Licht des Vollmonds wie eine Pyramide aus
Kristall, fast durchsichtig, als leuchte sie von innen. Nichts kommt dem Kang
rinpoche, dem Schneejuwel gleich. Für die tibetanischen Buddhisten trägt
er die Säule Ihres Weltenreichs.
In diesem Teil der dreiteiligen Reihe „Abenteuertouren“ folgt Voyages,
Voyages dem tibetischen Mönch Lagpha Chanchup auf seiner Pilgerreise zum
heiligen Berg Kailash. Laghpas Weg führt quer über das tibetische Plateau
von seiner Heimat Kham im Osten bis zum heiligsten aller Berge im äußersten
Westen Tibets. Laghpa chanchup durchquert dabei das tibetische Plateau, das siebenmal
größer als Frankreich ist. Seine Pilgerfahrt durch den Transhimalaya
ist ein Abenteuer, und ein Sinnbild für die Suche nach dem eigenen Ich.
Vor Antritt seiner Pilgerfahrt bestimmen die Regeln seinen Alltag in einer der
größten Klosterkulturen der Welt. Laghpha Chanchup studiert tibetische
Medizin im berühmten Kloster Dordrak in Osttibet. Sein Lehrer Lama Laku Rinpoche,
weist ihm den Pfad des Wissens, doch die Götter senden Laghpa auf einen Weg,
den er allein gehen muss. Beschwerlich und gefahrvoll führt er in einen der
entlegensten Winkel der Erde zum Kailash, dem Thron der Götter im Westen
Tibets.
Von klein auf sind die Menschen mit den heftigsten Wetterumschwüngen, dem
scharfen Wind und der unerbittlichen Kälte vertraut. Die rauhe Natur formt
den Charakter der nachgiebigen tibetischen Seele. Hinter der Fröhlichkeit
der Menschen versteckt sich die materielle Entbehrung und die körperliche
Beschwerlichkeit ihres Alltags.
Voyages, Voyages begibt sich auf dem Dach der Welt auf Spurensuche und folgt den
Lebensstationen Heinrich Harrers, der viele Jahre in Tibet lebte. Seine Erlebnisse
sammelte er in einem Buch: „Sieben Jahre in Tibet“. Sein spannender
Reisebericht wurde zum Hollywood-Filmstoff. Harrer, der nach Ausbruch des zweiten
Weltkriegs von Indien nach Tibet flüchtete, erreichte die verbotene Stadt
Lhasa. Er wurde zum Lehrer des jungen Dalai Lama.
Der Berg Kailash erhebt sich konkurrenzlos über die Hochebene Westtibets
- nicht nur für Pilger einer der erhabensten Anblicke der Erde. Schritt für
Schritt umrunden wir den heiligen Berg zusammen mit Hunderten von Pilgern. Viele
messen den mehrtägigen Weg in fast sechstausend Metern Höhe mit ihrem
Körper aus. Durch ständiges Niederwerfen verarbeiten sie ihr schlechtes
Karma. Der Kailash, fast siebentausend Meter hoch, gilt ihnen als Juwel des Schneelandes,
als heiliges Zentrum der Welt.